Silver entdeckt etwas Rundes und Rotes und für ihn steht sofort fest: Das ist sein Schatz.

Natürlich möchte er ihn am liebsten ganz für sich behalten. Doch auf einer Weide voller neugieriger Alpakas ist das gar nicht so einfach.

Was Silver mit seinem roten Fund erlebt, erfahrt ihr in der neuen Wochengeschichte der Vliesbande.

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Heute durfte die Vliesbande zum ersten Mal auf die Streuobstwiese hinter dem
Hof. Ein ganzer Nachmittag unter alten Apfelbäumen, mit Gras bis zu den
Knien. „Das Gras dürft ihr fressen“, sagte Leni, bevor sie das Tor aufmachte.
„Die Äpfel nicht. Die sind nichts für Alpakas.“ Silver hörte nur halb zu. Er
sah die Äpfel im Gras liegen, rot und gelb und rund. „Schätze“, flüsterte er.

Unter dem größten Baum lag der größte Apfel, den Silver je gesehen hatte.
Rot, glänzend, fast so groß wie Camillos Kopf. „Meins!“, rief Silver. „Du
darfst ihn doch gar nicht fressen“, sagte Camillo. „Will ich auch nicht. Ich
will ihn haben.“ „Wozu?“ Silver sah ihn an, als wäre das die dümmste Frage
der Welt. „Damit er meins ist.“

Silver stellte sich breitbeinig über den Apfel und bewachte ihn. Wer näher
als drei Schritte kam, wurde angefaucht. Xavi, der vorbeiflitzte. Benito, der
nur Schatten suchte. Sogar ein Blatt, das vom Baum fiel. Die anderen ließen
ihn. An der Hecke hatte Camillo das weichste Gras der Welt entdeckt. Romeo
kaute mit geschlossenen Augen. Santiago wälzte sich im warmen Laub. Pedro und
Diego vergaßen sogar, sich zu streiten.

„Komm rüber“, rief Camillo. „Dann nimmt mir einer meinen Schatz weg.“
„Niemand will deinen Apfel.“ „Du sagst das nur, damit ich unvorsichtig
werde.“

Die Sonne wanderte. Silvers Beine wurden müde vom Stehen. Dann rief Leni:
„Noch zehn Minuten!“ Silver geriet in Panik. Er musste seinen Schatz
mitnehmen. Er schob den Apfel mit der Nase an. Der Apfel drehte sich um. Und
aus dem Apfel kam ein Summen.

Unten war ein großes braunes Loch. Daraus krabbelten Wespen. Eine, zwei,
zehn. Der Apfel war innen hohl. Silver machte einen Sprung mit allen vier
Beinen gleichzeitig. Dann rannte er quer über die Wiese und um zwei Bäume
herum, an Xavi vorbei. Silver war schneller als Xavi. Das hatte es noch nie
gegeben. An der Hecke blieb er keuchend stehen. Keine Wespe war ihm gefolgt.
Dann sah er auf das Gras. Es war abgefressen. „Ich habe den ganzen Nachmittag
nur gestanden“, sagte er leise.

Da schob Camillo mit der Nase einen Zweig zur Seite. Darunter wuchs noch ein
kleines Büschel. Das Höchste und Weichste von allen. „Das habe ich dir
aufgehoben, für den Fall, dass du doch noch kommst.“ Silver fraß es. Es war
das beste Gras, das er je gefressen hatte. „Danke“, sagte er. „Das ist das
erste Mal, dass etwas meins ist, ohne dass ich es bewachen muss.“

Auf dem Heimweg lief Silver ausnahmsweise nicht vorne. Er lief neben
Camillo. „Wie lange hält das an?“, fragte Romeo. Samurai grinste. „Bis zur
Heuraufe.“ An der Raufe drängelte sich Silver vor. Aber er ließ Camillo den
Platz neben sich.

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